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ES GEHT UM DEN SPASS...
VERBALDISCO #4 skateboard.de, 2006 Eric Mirbach ... Tut es das? Die wohl meist gehörte Floskel, wenn es um Skateboarding geht, lautet wohl "beim Skateboardfahren geht es um den Spaß". Aha. Wartet kurz. Skateboarding war jetzt aber schon die Freizeitbeschäftigung, bei der man beispielsweise auf Handläufe von 10er Stufensets springt um im Falle akuten Versagens eventuell seine gesamte Zahnfront einzubüßen? Skateboarding ist doch, wenn ich mich recht erinnere, diese eine, unfassbar übertrieben schwere Sache, die unweigerlich entsteht wenn Physik, Mathematik, körperliche Selbstbeherrschung und nicht zuletzt Talent erfolgreich aufeinandertreffen müssen, damit man auch nur im geringsten ein klitzekleines bisschen akzeptabel gut darin sein kann? Skateboarding war schon der Sport, der bei den von der gesamten Umwelt wenig akzeptierten Beschäftigungen ganz weit oben steht im Ranking, gleich nach Graffiti, Prostitution und Crack verkaufen, oder? Ja, dachte ich mir doch. Skateboarding ist kein Spaß. Skateboarding ist harte Arbeit, schweißtreibender Sport übelster Sorte und schon lange nicht mehr nur rebellisches Jugendlichenverhalten sondern vielmehr eine millionenschwere Imagekampagne. Nur zwei Stichworte sind nötig, um diese Behauptung zu untermauern. Adidas. Nike. Nuff said. Warum also quatschen hier alle von "Spaß"? All die Kids, die sich am local Skatepark einen abmühen, um bei ihren Ollies auch mal das Tail in die Luft zu befördern? All jene glücklich gesponsorten, die ihr Talent nicht fässerweise hinterhergeschmissen bekommen haben sondern für jeden ihrer Videoparts hart ackern müssen? All jene, die von Contest zu Contest jetten um irgendwie ihren Lebensunterhalt zusammenzuskaten, den sie mit jedem effen Job auf dem Bau wahrscheinlich auch verdienen würden, dafür aber mit Versicherung und besseren Zukunftsaussichten statt einem allgegenwärtigem Verletzungsrisiko im Nacken? All jene, die (eventuell verbittert) irgendwann aufgegeben haben und sich lieber Technodiskotheken, dem exzessiven Trinken und den leichten Mädchen zugewandt haben, weil es sternhagelvoll definitiv leichter ist, eine Hoe abzuschleppen als "flip in flip out" - Shit auf Tape abzuliefern? Und sogar solche Honks wie ich, die sich aus mangelndem Talent, wie es mein Mann Bastian irgendwann einmal so wundervoll formuliert hat, "hinter die Kamera verpisst haben"? Irgendwas stimmt da doch nicht. Aus meiner Sicht, na ja, fährt das Ganze zweigleisig. Ich denke, Skateboarding kann der größte Spaß der Welt sein. Es gibt allerdings Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen, um auf lange Sicht wirklich genießen zu können, was einem da gerade über den Weg gelaufen ist. Denn entweder, man hat ein von höherer Macht vergebenes, nie versiegendes Talent, eine seltene Gabe, die man nur bei einigen wenigen Exemplaren in freier Wildbahn beobachten kann (zwei schnelle Beispiele aus meinem Erfahrungsschatz wären Willow und Patrick Ahlfeldt: zwei Jungs, die, wenn sie denn wollen, so wunderschön skateboardfahren, dass es fast weh tut). Oder aber man ist wirklich richtig richtig hart verliebt. Dann machen einem auch der viele Schweiß, das ganze Blut und eventuelle Tränen nichts, die man auf dem Weg in Richtung Glück wahrscheinlich lassen wird. Von dieser Art Mensch gibt es erstaunlicherweise viele und ich ziehe hiermit meinen Hut vor euch; ihr seid Idealisten und Träumer und davon gibt es viel zu wenige. Und natürlich, voilá le Knackpünkt, viel mehr als das. |