DAHEIM IN EMERICA
Monster Skateboard Mag, #246, 2007
Eric Mirbach

Skateboarding ist nicht von der Umgebung, in der es stattfindet, loszulösen. Spots und ihre Eigenarten sind ein wichtiges Puzzelstück all dessen, was Skateboarding auszeichnet. Das noch junge Emerica Team hat nun in einer Tour durch Nordrhein-Westfalen die Homespots der anderen erforscht und sich so besser kennen gelernt. Denn Spots sagen etwas aus. Und zwar nicht zu knapp.

Fast jeder hat einen Heimatspot. Einen Lieblingsspot. Einen Spot, von dem man irgendwie nicht wegkommt. Dieser muss nicht unbedingt und zwangsläufig in dem Ort liegen, in dem man lebt oder aufgewachsen ist. Für den einen mag dieser Spot einfach nur der eingewachste Bordstein vor der eigenen Haustür sein, um den Heimatspot des anderen zu erreichen, könnte schon eine mehr oder weniger lange Reise nötig sein. Aber etwas so schnödes wie Entfernung kann etwas so erhabenem wie einem Heimatgefühl keinen Abbruch tun. Für einige mag ein solcher Spot vielleicht auch genau der Ort sein, an dem man sich in Skateboarding verliebt hat. Der Ort der ersten wackeligen Versuche überhaupt aufrecht auf so einem Ding stehen zu können, der Ort der ersten sauber gefahrenen Kurve, des ersten Ollies über das hochkant gestellte Board deines Grundschulhomies Torsten oder des ersten wirklich satten Slams.
Die urbane Umgebung unser aller Jugend, ob nun Großstadt oder Kuhdorf, ist für Skateboarding unersetzbar wichtig (es sei denn, du trägst dein Board ausschließlich zur local Miniramp und dann wieder nach Hause). Das Brett mit den vier Rollen hat wenig Sinn, wenn es nichts gibt, auf dem es rollen kann. Und so entwickelt sich der vielzitierte ?andere" Blick der Skater für die architektonischen Gegebenheiten und auch die Beziehung zu seiner Umgebung unterliegt zwangläufig ständiger Veränderung. Spots sind wie Persönlichkeiten; manche liebt man, manche hasst man, manchmal auch beides gleichzeitig. Über manche wächst man schnell hinaus, andere überwindet man erst mit der Zeit und einige muss man regelrecht bekämpfen. Einigen bleibt man immer treu, andere vergisst man, wieder andere sind Grund zum Träumen und das Ziel mitunter langer Reisen.

Das Emerica Team Deutschland besteht aus jungen Gesichtern, man könnte vielleicht die Vokabel ?Frischfleisch" benutzen, wenn man diese nicht so unbedingt verhindern wollte, wie es der Autor tut. Bis auf Patrick Streiter, den man im Emerica Europe Team findet und der schon einige Jahre für die Schluppen aus Übersee Skateboard fährt, ist die Besetzung blutjung, in vielen Fällen (noch) recht unbekannt und mit Feuereifer dabei. Patrick Vetter, Simon Jadzack, Laura Kaczmarek und Vladik Scholz geben allesamt ordentlich Gas und bieten, besonders in dieser Kombination, einen viel versprechenden Ausblick auf das Jahr 2007. Es wird viel passieren.
Ein so junges Team muss sich aber erstmal kennen lernen und so ging man gemeinsam auf Tour durch Nordrhein-Westfalen, auf das man sich gegenseitig seine Homespots zeige. Denn, richtig gedacht, wenig verbindet mehr, als mit den neuen Teamkameraden das zu teilen, was einen auch in die Gemeinschaft geführt hat; seine persönliche Version von Skateboarding, an seinem Spot, in seiner Stadt (oder, siehe oben, genau dort nicht).
In insgesamt drei Tagen führte der Weg von Münster über Bielefeld in den Ruhrpott, genauer nach Oberhausen und Bochum. Jeder gab seinen Lieblingsspot preis und teilte ihn als stolzer Gastgeber mit den neuen Teamkollegen, immer vorausgesetzt, es handelte sich nicht um einen totalen Bust oder er war inzwischen unskateable gemacht... (die Skatestopperindustrie hat wirklich allen Grund, sang- und klanglos unterzugehen, wenn schon nicht aus finanziellen Gründen, so doch vielleicht aus Selbstekel. Gibt's da vielleicht eine Chance?).
Ich darf behaupten, dass wir alle ein paar sehr konstruktive, unterhaltsame und gesellige Tage hatten, das Wetter hat sich schön im Rahmen gehalten und ein jeder hat ein weiteres Stückchen an neuem Skateboardhorizont gewonnen. Und, nur gesetzt den Fall, dass auch du, werter Leser, den ein oder anderen Emerica-Teamrider noch nicht so gut kennst, findest du von jedem einen kleinen Steckbrief, ein bisschen so wie in den ?alle meine Freunde"-Heften, damals in der 5. Klasse. Und ihre Homespots teilen sie auch mit dir, denn dafür sind diese ja schließlich da. Skateboarding für alle, Rails abschließen war Übersee. Und vielleicht bis bald, jetzt weißt du ja wohin.